Was macht eigentlich ... unser BB?

SV Moßbach - Immer am Ball!, 14.01.2021

Was macht eigentlich ... unser BB?

Moßbach, am 14.01.2021. Es gab in der Nachwendezeit einen Stürmer, dessen Name ultimativ für die Ewigkeit mit dem SVM verbunden sein wird - und der von den gegnerischen Mannschaften stets eine persönliche Sonderbewachung bekam, wegen seiner immensen Torgefahr. Die Rede ist vom Moßbacher Rekordtorschütze Burkhard Borde, der im Fußballkreis als das Nonplusultra eines bulligen Vollblutstürmers galt - und mit seinen Leistungen und Toren an wichtigen Erfolgen unseres Vereins maßgeblichen Anteil hatte. "Der wurde doch im Stall gezüchtet" lautete ein oft gehörter Spruch der sogenannten Stadtvereine, wenn sie den unbändigen "Zuchtbulle" namens Burkhard Borde im besten Wettkampfgewicht auch mit unlauteren Mitteln nicht aufhalten konnten. Doch ab und an kam dann das ausgeprägte Gerechtigkeitsgefühl bei Bordi durch, das ihn auch zum "wilden Stier von Pamplona" und damit zum pauschal vorverurteilten Kartensünder bei vielen "Schwarzkitteln" in der Schiedsrichterzunft machte. 

Langjährige Weggefährten erinnern sich auch heute noch gern an BB zurück. So zum Beispiel Björn Hofmann, einem Mitspieler schon zu glorreichen Oettersdorfer Nachwuchszeiten: "Zielstrebig vor dem Tor. Eiskalt im Strafraum. Hätte höherklassig spielen können, wenn der Vater im Nachwuchsbereich nicht die Fußballschuhe verbrannt und das Fußballspielen verboten hätte." Oder der Vorstand Lutz Weidehaas: "Für den Moßbacher Fußball ein Glücksfall, vielleicht der kompletteste Spieler. Viel eingesteckt. Viel ausgeteilt. Auch außerhalb vom Platz immer aktiv und der absolute Liebling der Fans. Mit mehr Ehrgeiz und Fleiß sowie weniger Schulterklopfern wäre eine ganz andere Karriere möglich gewesen. Ein verlorenes Talent für den Fußball, aber ein Gewinn als Mensch und Freund für unseren Verein und mich." Und auch unser Routinier Denny Lukes kickte mit Burki noch einige Saisons zusammen: "Vor allem seine Schusstechnik und Dynamik sind mir noch in bester Erinnerung. Über seine Tore aus der Distanz oder auch per Fallrückzieher wird heute noch gesprochen."

Doch was macht BB aktuell? Nach seiner privaten und sportlichen Zeit in Tanna ist der inzwischen 45-jährige Recke zurück in Moßbach. Auch hierüber sprachen wir mit ihm, offen und ausführlich, im kurzweiligen und interessanten Interview. Auf geht's!

Grüße Burkhard, wie geht's dir?

"Hallo. Mir geht es den Umständen entsprechend gut. Ich habe zwei schwere Jahre hinter mir, und bin gerade dabei alles neu zu ordnen und noch einmal von vorn anzufangen."

Wie empfandest du das alte Jahr 2020 mit all seinen Einschränkungen?

"Das Jahr 2020 war schon recht turbulent, muss ich zugeben. Alles drehte sich ja doch nur um das Thema 'Corona'. Ich fand es und finde es immer noch sehr interessant, was für Theorien doch so durch die Welt kursieren. Von biologischer Waffe bis zum globalen Zusammenbruch war ja alles dabei. In mancherlei Hinsicht waren für mich persönlich einige Einschränkungen nicht so tragisch, aber für viele doch kaum zu ertragen. Leider wird diese Zustand noch sehr lang andauern, denn so lang es unvernünftige Menschen gibt, die auch heute noch diese Krankheit klein reden, werden wir den Kampf gegen Corona noch lang ausfechten müssen."

Du hast privat auch ein ereignisreiches Jahr hinter dir und bist u.a. nach Moßbach gezogen, wieso das?

"Ja, leider Gottes war es ein sehr bescheidenes Jahr. Nach dem 'Aus' unserer Ehe gab es die Möglichkeit in Tanna zu bleiben oder zu gehen, und ich habe mich für letzteres entschlossen. Dabei war Moßbach die aller erste Wahl und ich möchte mich nochmal ausdrücklich bei Gisela Krösel bedanken, die viele Hebel in Bewegung gesetzt hat, um dies zu ermöglichen. Ich brauche dir ja nicht zu sagen, dass Moßbach immer mein Verein war, ist und bleiben wird. Aber nicht nur der Verein allein ist es, vor allem das Dorf und die Leute machen es zu meiner Heimat."

Und du bist zurück bei deinem SVM, für den du viele Jahre erfolgreich gespielt hast?

"Ja das stimmt, und ich bin glücklich wieder ein Teil von einem großartigen Verein zu sein. Anfangs noch leicht ungewohnt und skeptisch, aber diese Skepsis wurde mir schnell genommen. Schon nach kurzer Zeit war es so, als wäre man nie weg gewesen."

Welche Aufgabe nimmst du derzeit wahr?

"Ich habe das Vergnügen, einer von drei Trainern unserer D-Juniorenmannschaft zu sein. Dabei halte ich mich schon sehr im Hintergrund, was nicht schlimm ist, denn Ralf Schüler und Christian Läßker leisten da ganz tolle Arbeit."

Wann bist du damals weg, nach Tanna?

"Ich glaube es war 2012, als ich nach Tanna gewechselt bin. Was aber keine gute Entscheidung war, da sie aus falschen Stolz meinerseits getroffen worden ist. Heute würde ich diese Dinge anders angehen." (P.S.: Den damaligen Homepageartikel haben wir extra für dich herausgesucht: http://www.svmossbach.de/news/171-2012-b-b-verlaesst-nach-18-jahren-den-sv-mossbach) 😉

Du warst der Gerd Müller aus Moßbach und ein allseits gefürchteter Torjäger, worin lagen deine besonderen Stärken?

"Also die Kondition zählte definitiv noch nie zu meinen Stärken. Diese lagen doch eher in der Schusstechnik, dem Antritt und einem gewissen 'Torinstinkt', den ich hatte."

Aber ein wenig Enfant Terrible warst du auch, besonders für die Schiedsrichter?

"Ja, aber nur weil die desöfteren anderer Meinung waren als ich. Nee, Spaß bei Seite. Stimmt schon, aber vielleicht ist es auch das was unserer ersten Mannschaft zur Zeit bissl fehlt. Du weißt was ich meine. Früher gab es noch solche 'Typen', die mal polarisiert und auch mal dazwischen gehauen und somit auch die Jungs mitgerissen haben. Das findest du heute nicht mehr all zu häufig."

Hast du noch enge Kontakte zu den damaligen Weggefährten wie Zwietsch, Mü, Steve, Holger, Schaubi oder Dorni?

"Ja klar, wenn immer es passt wird mal ein kleiner Schwatz gehalten oder mal ein Bierchen getrunken. Ganz besonders froh bin ich, den Kontakt zu Peter wieder gefunden zu haben, da damals durch Misskommunikation und meiner falschen Eitelkeit schon einiges kaputt gegangen ist bzw. war. Wir haben seit vielen Monaten wieder guten Kontakt und es wurde viel an- und ausgesprochen und jetzt ist zum Glück alles wieder in Ordnung."

Wie hast du 2017 das überraschende Ableben von Ehrenpräsident Dietmar Schott aufgenommen, der ja auch für dich eine sehr wichtige Bezugsperson war?

"Das war für mich ebenso ein Schock wie für die, die ihn kannten und mochten. Ich war fassungslos und wollte es auch nicht glauben. Und ja, er war DIE Bezugsperson im Verein für mich. Er hatte immer einen Rat und ein offenes Ohr. Er war das Herzstück des ganzen Vereins und ich bin froh, dass alle noch enger zusammen gerückt sind, um seinen Verein weiter zu führen."

Ab und an kickst du für die Alten Herren der SG Oberland, oder?

"Das stimmt, und es macht auch richtig viel Spaß, aber auch mit einer gesunden Portion Ernsthaftigkeit dabei. Man versucht ja alles, um sich ein klein wenig fit zu halten."

Körperlich geht da auf den ersten Metern immer noch eine Rakete ab, wie man so hört?

"Naja, nicht gleich Rakete, aber dem ein oder anderen laufe ich schon noch davon."

Mit jetzt 45 Jahren hängen die Töppen aber endgültig am Nagel oder würdest du nochmal auf den Platz zurückkehren, wenn Not am Mann bei den Herrenteams ist?

"Ach am Nagel hängen die noch nicht, und ein paar Minuten auf dem Feld bzw. zwischen den Pfosten traue ich mir schon noch zu."

Vom Vollblutstürmer zum Stammtorwart, in Tanna, wie kam das eigentlich zustande und wo hattest du das Talent als Björn Hofmann bzw. Sepp Maier her?

"Wie das zustande kam, weiß ich gar nicht mehr so recht. Ich glaube wir hatten damals keinen Keeper mehr und da stellte sich die Frage, wer das macht und ich hab es einfach mal probiert. War zwar weit weg von dem, was ein gelernter Torwart so kann, aber ganz so schlecht hatte ich mich nicht angestellt."

Was wünschst du dir persönlich für das neue Jahr 2021 am sehnlichsten?

"Ich wünsche mir das es allen, die ich mag und die mich mögen, gut ergeht, sie gesund bleiben und darauf bauen, dass diese schweren Zeiten, die war haben, auch vorüber gehen. Aber ganz oben steht, dass es meiner Tochter gut geht, sie ihre Ausbildung in Dresden ordentlich absolviert und glücklich ist."

Wann wird aus deiner Sicht der Fußballbetrieb wieder starten können?

"Na ich hoffe doch bald. Aber die Gesundheit ist doch wichtiger als alles andere. Und sollte es doch so kommen, dass nicht gespielt werden kann, dann nehmen wir es so hin, aber lassen uns dem Spaß am Fußball nicht nehmen. Es kommen auch wieder bessere Zeiten."

Und du bist dann wieder für unseren SVM dabei?

"Ich gehe mal sehr stark davon aus."

Vielen Dank für deine Zeit und Mühe, uns an deiner aktuellen Situation teilhaben zu lassen. Wir wünschen dir alles Gute und freuen uns, dass du wieder "Zuhause" bist.

"Danke, ebenso. Alles wird gut!"


Quelle:dx (Text) / archiv ms (Bilder)