Was macht eigentlich ... unser Broßi?

SV Moßbach - Immer am Ball!, 24.12.2020

Was macht eigentlich ... unser Broßi?

Seinen Abschied nahm Broßi im November 2011, beim legendären 4:1-Pokalerfolg in Rositz (die damalige Überschrift im Spielbericht von Mario Streit lautete "Zeitler-Festspiele", ob des vierfachen Torschützen Jan Zeitler).
 

Moßbach/Kiel, am 24.12.2020. Vor 14 Jahren als 'junger Spritzer' im - damals extrem schlagzeilenreichen, die heute noch andauernde und primär einseitige Vereinsrivalität erst begründenden - Quintettwechsel Dorn/Borde/Priedemann/Schaub/Broßmann vom großen FSV Schleiz zum kleinen SV Moßbach dabei, war er seit der unvergesslichen Doublesaison 2006/2007 als Stammspieler für den SVM nicht mehr wegzudenken. Eine universell einsetzbare Allzweckwaffe, meist als eisenharter Manndecker, beidfüßig ausgebildet, dazu einsatzstark, körperlich präsent und wuchtig, aber auch immer etwas verträumt und drollig, dafür stets loyal. Die Rede ist von Markus Broßmann, dem inzwischen 33-jährigen Haudegen, der einst für sechs Jahre in Moßbach kickte - und dessen Uropa Oskar aus jenem Moßbach stammte.

Doch was machte Markus nach seinem stillen Wegzug und wie geht es ihm heute? Der äußerst sympathische Vater eines kleines Sohnes gab uns einen interessanten und offenen Einblick in sein Lebensumfeld und geht dabei auch auf eine andere Sportart ein ... auf geht's!

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Servus Markus, ist alles gut bei dir und deiner kleinen Familie?

​"Hallo nach Moßbach, meiner Familie und mir geht es gut. Alle sind gesund und das ist die Hauptsache."

Du lebst in Kiel, seit wann und wie kam der Umzug zustande?

"Genau. Ich bin im November 2011 nach Kiel gezogen, um ein Jahr zu überbrücken, damit ich mich für ein Studium einschreiben konnte. Das sollte damals nur eine Überbrückung sein, aber jetzt sind es 9 Jahre und es ist kein Ende in Sicht." 😉

Du bist dann zur DEKRA, oder?

"Richtig. Am 15.11.2011 habe ich bei der DEKRA in Kiel als kaufmännischer Support angefangen."

Und bist nun final sesshaft geworden, da du auch dein Lebensglück gefunden hast?

"Ja, ich bin jetzt seit dem 13.08.2019 verheiratet, im April 2018 kam unser Sohn zur Welt, karrieretechnisch kann ich mich nicht beschweren und an den ständigen Wind kann man sich auch gewöhnen."

Dein kleiner Sohnemann Oskar hält dich auf Trab?

"Das kann man so sagen. Er kann jeden Tag mehr und will alles selbst machen. Das ist manchmal anstrengend, aber am Ende wollen wir ja alle, dass unsere Kinder selbstständig werden."

Wird er auch mal so ein Athlet wie du?

"Ich hoffe ja eher, dass er schlau wird und sich nicht auf seinen "Nacken" verlassen muss. 😉 Spaß beiseite, er ist sehr motiviert, wenn es um Bewegung geht und das freut mich. Ich hoffe darauf, dass es noch möglichst lange so bleibt und er später nicht nur vor dem Rechner hängt."

Zu eurem Familienhof gehören aber noch einige weitere Mitglieder, oder?

"Ja, wir haben noch zwei Katzen, drei Hühner und ein Kaninchen. Unseren Hund Casper mussten wir notgedrungen vor kurzem einschläfern lassen, da er an Knochenkrebs litt und er keinerlei Lebensqualität mehr hatte. Zusätzlich ist unser Kater Ming dieses Jahr eingeschläfert worden, weil er schwer krank war. Also dieses Jahr war ein bescheidenes Jahr für uns als Tierhalter."

Beruflich hast du Fuß gefasst und bist jetzt auf der Karriereleiter gestiegen?

"Absolut, ich hatte mich ja nach drei Jahren im Büro dazu entschlossen, doch noch zu studieren, um bei der DEKRA auf der technischen Karriereleiter weiter zu steigen. Seit dem 18.04.2018 habe ich meinen Bachelor of Engineering und bin Sachverständiger für Lüftungsanlagen und Brandschutz bei der DEKRA."

Du hast von 2006 bis 2011 für unseren SVM gekickt, wie sehr bist du noch zu uns verbunden oder interessiert?

"Ich muss leider zugeben, dass ich nur vereinzelt auf der Homepage des SVM unterwegs bin. Die meisten Informationen habe ich noch aus Gesprächen mit meinem Vater bekommen, der aber auch nur noch selten bei den Spielen ist. Emotional fühle mich immer noch als Moßbacher und denke, wenn auch nur sehr selten, immer gern an die Zeit zurück."

Und in die Heimat generell?

"Meine Heimat fehlt mir ehrlich gesagt nicht so sehr. Kulturell war ich nie interessiert und landschaftlich ist mein Interesse auch sehr begrenzt. Mir fehlen einzig und allein die Kontakte aus der Heimat. Die Norddeutschen sind zudem auch ein, naja ich formuliere es mal freundlich, introvertiertes Völkchen."

Nach deiner Zeit als Fußballer bist du nochmal durchgestartet, sag uns mal wie und wo!

"Ich habe nach dem Umzug nach Kiel angefangen, dort American Football zu spielen. Die Kiel Baltic Hurricanes spielen in der German Football League und da hab ich mich dann versucht. Es war ein kurzer Auftritt, da ich verletzungstechnisch immer wieder Rückschläge hinnehmen musste."

Was hat diesen Sport so reizvoll für dich gemacht?

"Entgegen der allgemeinen Aussage, American Football sei ein stumpfes Haudrauf, verbirgt sich hinter der schon recht brutalen Fassade ein derart taktisches Spiel, das ich den US-Amerikanern ehrlich gesagt gar nicht zugetraut hätte. Zudem bin ich heute noch von der Fan-Kultur begeistert. Diese steht in keinem Verhältnis zum Fußball. Keine Polizei, keine Ausschreitungen, kein blinder Hass, nur weil eine Entscheidung gegen das eigene Team gepfiffen wurde."

Bist du derzeit noch sportlich aktiv und wenn ja, wie?

"Ich bin leider nur noch als Runningback-Coach und Offense-Coordinator tätig, da meine Knie keine übermäßige Belastung mehr zulassen. Das Sportlichste zurzeit ist, wenn ich Oskar auf der Dorfstraße hinterher rennen muss, weil er wieder ohne Helm Vollgas auf seinem Puki gibt."

Deine restliche Freizeit ist ausgefüllt mit Kind und Tieren?

"Genau, wir sind im Sommer, als es ging, mehrmals in der Woche mit Oskar an den Strand gefahren, treffen uns mit befreundeten Eltern zum gegenseitigen Bedauern über die nicht hörenden Kinder und waren sonst mit dem Hund im Wald unterwegs. Außerdem gehört zu unserem Mietshaus ein recht großer Garten, der mit einem Rasentraktor befahren werden möchte und diverse kleine Projekte, wie der Bau eines Strandkorbs, die Zeit in Anspruch nehmen."

Worin unterscheidet sich die Bevölkerung an der Ostsee von unserer einheimischen am meisten?

"Ich habe kürzlich im Postillon gelesen, dass sich die Norddeutschen auf das Ende der Corona-Pandemie freuen, weil sie danach den Mindestabstand auf 4 m zurücksetzen können. Ist natürlich nur Spaß, aber der Norddeutsche begrüßt dich auch auf seine herzlichste Weise mit "Moin" und das war's. Die Offenheit ist schon ein großer Unterschied. Und sie können die Uhr einfach nicht und sträuben sich dagegen zu lernen, wann es Dreiviertel und wann es Viertel ist."

Seid ihr jetzt zu Weihnachten hier im SOK?

"Nein, leider müssen wir aufgrund der aktuellen Corona-Regelungen den Heimatbesuch verschieben. Es ist momentan einfach nicht möglich, unter der maximalen Gruppenzahl zu bleiben und ich finde es nicht richtig, sich das so zurecht zu biegen, dass man in dem Rahmen bleibt, aber dafür jeden Tag andere vier Personen trifft. Es ist nicht Sinn und Zweck der ganzen Einschränkungen jetzt auszuloten, wie man sich innerhalb der Verordnungen mit möglichst vielen Leuten trifft."

Was wünschst du dir am sehnlichsten für das neue Jahr 2021?

"Gesundheit für meine gesamte Familie. Mehr geht nicht. Alles andere kann man sich erarbeiten."

Wann sehen wir dich wieder einmal auf unserem schmucken Sportplatzareal?

"Ich wäre gern schon längst mal wieder in Moßbach gewesen, sei es zu einem Spiel oder bestenfalls zum Frühschoppen bei der Kirmes, aber unsere Aufenthalte in Schleiz waren bisher immer zeitlich sehr begrenzt. Im kommenden Jahr hoffe ich auf einen längeren Besuch bei meinen Eltern, so dass ich vielleicht auch mal nach einem Training (also der Spieler, nicht von mir) noch ein Bockei oder eine andere Leckerei essen kann."

Hast du noch Verbindungen zu deinen alten Kameraden wie Schaubi, BB, Milli, Dorni oder Ralf?

"Leider ist der Kontakt in viele Richtungen über die Zeit abgeflacht oder eingeschlafen. Den meisten Kontakt habe ich noch zu Milli, zu dessen Hochzeit ich auch vor Ort war."

Vielen Dank für deine kurzweiligen Ausführungen, lieber Markus. Na dann, alles Gute für dich und deine Familie, viele Grüße und frohe Weihnachten. Bleibt gesund und zuversichtlich!

"Vielen Dank nochmal für die Möglichkeit, bei dieser schönen Sache mitmachen zu dürfen. Beste Grüße an die Moßbacher Sportgemeinschaft und die ehemaligen Weggefährten übersendet euer Broßi!"

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Quelle:dx (Text) / archiv ms (Bilder)